Wechseln zur Desktop Webseite

Die Ferkelnarkose mit Isofluran

Ab Januar 2021 dürfen Ferkel nicht mehr ohne den Einsatz einer Narkose kastriert werden. Aufgrund dieses Gesetzes werden nun mehrere Möglichkeiten zur Ferkelkastration in den Medien, der Politik und der Fachliteratur diskutiert.

Es besteht zum einen die Möglichkeit die Ferkel, ohne eine Kastration in der Ebermast großzuziehen. Diese Aufzuchtmethode ist doch sehr aufwendig, da viele entscheidende Faktoren, wie die Fütterung und die Haltung optimiert werden müssen. Aufgrund von Rangkämpfen werden Tiere oft verletzt. Zudem lässt sich das Fleisch von Ebern aufgrund eines höheren Fetteanteils und des klassischen Ebergeruchs schwieriger Vermarkten. Die zweite Option ist die Injektionsnarkose mit Ketamin oder Azeptoren. Diese kann jedoch nur vom Tierarzt durchgeführt werden. Des Weiteren, ist bei dieser Narkoseform der Nachschlaf länger und das allgemeine Narkoserisiko verstärkt. Die dritte mögliche Methode ist die Inhalationsnarkose mit Isofluran. Diese kann mit einem passenden Sachkundenachweis selbst vom Landwirt durchgeführt werden.

Was ist Isofluran?

Isofluran ist ein volatiles Anästhetikum, das bedeutet, dass es durch eine Inhalation verabreicht wird. Zudem ist es ein halogenierender Ether, also eine organische Verbindung. Das Narkosemittel zeichnet sich vor allem durch einen beißenden Geruch aus und ist unter normalen Bedingungen flüssig und nicht brennbar. Damit Isofluran als Narkosemittel eingesetzt werden kann, muss es mit Hilfe eines Narkosegerätes verabreicht werden. Mit der Unterstützung eines Verdampfers wird das Isofluran in einen gasförmigen Zustand gebracht. Danach wird das Gas über eine Maske von dem zu kastrierenden Ferkel eingeatmet.

 

Wie wirkt Isofluran?

Aufgrund der geringen Löslichkeit im Blut gibt es einen schnellen Partialdrucksausgleich zwischen dem Isofluran und dem Alveolarraum, dort wo Sauerstoff ins Blut aufgenommen und Kohlenstoffdioxid entsorgt wird, dem Blut und dem Gehirn. Das macht die Einleitungs- und Aufwachphase besonders kurz. Zudem kann das Tier wenige Minuten nach der Narkose wieder stehen und sich fortbewegen.

 

Während der Kastration erfolgt die Schmerzausschaltung durch die Bewusstlosigkeit des Ferkels. Jedoch wirkt Isofluran aufgrund der kurzen Aufwachphase leider nicht schmerzlindernd. Deshalb muss vor dem Eingriff ein Schmerzmittel verabreicht werden. So wird verhindert, dass das Ferkel nach dem Abklingen der Bewusstlosigkeit noch Schmerzen empfindet.

 

Was sind die Nebenwirkungen von Isofluran?

Die gängigsten Nebenwirkungen von Isofluran sind Atemdepressionen und niedriger Blutdruck. Beides ist jedoch dosisabhängig. Zudem kann es zu einer Stoffwechselentgleisung in der Skelettmuskulatur kommen.

 

Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung wurde in Langzeitvergleichen zwischen konventionell kastrierten Ferkeln und unter Isofluran kastrierten Ferkeln keine negativen Auswirkungen auf die spätere Entwicklung und die Heilung der Kastrationswunde festgestellt.

 

Worauf sollte bei der Anwendung von Isofluran geachtet werden?

Es gibt verschiedene Faktoren, auf die bei einer Narkose mit Isofluran geachtet werden sollte. Zum einen sollten nur Atemmasken verwendet werden, die gut sitzen. Sonst kann es sein, dass es zum unerwünschten Einatmen von Raumluft kommt. Zudem ist die Länge der Anflutzeit des Narkosemittels wichtig. Bei einer zu kurzen Anflutzeit wird nicht sichergestellt, dass das Ferkel tief genug schläft. Bei einer zu langen Abgabe des Gases steigt das allgemeine Narkoserisiko. Die Empfehlung des BMEL liegt bei einer Anflutzeit zwischen 70 und 90 Sekunden. Das Maximum sind 120 Sekunden. Im Allgemeinen ist die Länge von der Größe des Ferkels abhängig.

 

Fazit

Die Ferkelkastration mit Isofluran bietet verschiedene Vor- und Nachteile für den Landwirt. Auf der einen Seite ist die Anschaffung eines Narkosegerätes zunächst sehr teuer. Jedoch wird bei kleinen und mittelständischen Betrieben die Anschaffung vom Bund mit bis zu 5.000€ subventioniert. Desweiten hat Isofluran verschiedene Nebenwirkungen, die bei Einsatz vorkommen können.

 

Auf der anderen Seite können Landwirte mit einem Sachkundenachweis die Behandlung selbst durchführen. Dies ist bei einer Injektionsnarkose nicht möglich. Auch muss der Betriebsablauf und die Stallung nicht verändert werden, wie beispielsweise bei der Jungebermast. Die Vermarktung des Fleisches wird ebenfalls nicht negativ beeinflusst. Durch die kurze Aufwachphase wird das Narkoserisiko gesenkt und die Ferkel können zeitnah zum Muttertier zurücksetzt werden, sie kühlen nicht aus und können sich nach nur wenigen Minuten schon wieder ganz normal bewegen. Zudem wird die Inhalationsnarkose schon seit über 12 Jahren in der Schweiz angewendet. Dort wurden in den letzten Jahren viele positive Erfahrungen gesammelt.

 

QUELLE: Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung

Noch Fragen?

Wir kontaktieren Sie gerne!